Wenn alle E-Autos fahren: Diese Stadt wagt den Stresstest fürs Stromnetz


Immer mehr Elektroautos bedeuten immer mehr Energiebedarf. Zunehmend werden Stimmen laut, die befürchten, dass das Stromnetz langsam, aber unaufhaltbar an seine Grenzen gerät. Der Stuttgarter Netzbetreiber Netze BW GmbH hat das spannende Projekt NETZlabor E-Mobility-Carré initiiert, das genau diese Frage beantworten will.

NETZlabor E-Mobility-Carré – Stromnetzbetreiber startet Feldversuch

Als größter Verteilnetzbetreiber im EnBW-Konzern hat Netze BW ein ureigenes Interesse daran zu erfahren, wie sich der Energiebedarf der Zukunft weiter entwickeln wird. Netze BW erhofft sich Antworten auf Fragen, wie z. B.:

  • Ist das Stromnetz den künftigen Anforderungen gewachsen?
  • Wie viel Strom werden wir verbrauchen?
  • Wann sind Stromspitzen zu erwarten?

Aufgrund der stetig wachsenden Elektromobilität steht bei dem spannenden Feldversuch natürlich ganz besonders im Fokus des Interesses, wie die Integration der Elektromobilität in die bestehende Netzinfrastruktur am besten gelingen kann. Aus diesem Grund startete Netze BW im Dezember 2019 einen einjährigen Feldversuch. Ort des Geschehens ist eine Wohnanlage in Tamm bei Ludwigsburg, die der Netzbetreiber "NETZlabor" getauft hat. Eine Art "Truman Show" auf schwäbisch – allerdings mit unschlagbaren Vorteilen für die Mitwirkenden.

"Die Dynamik der Netze für die Elektrifizierung der Mobilität zu testen, ist für mich als Entwickler von Elektroautos eine Herzensangelegenheit, die mir sehr viel Freude bereitet. Bereits nach der kurzen Projektlaufzeit ist zu erkennen, dass ein Großteil der Fahrten durch das effiziente Lademanagement zu Hause ohne DC-Schnellladen möglich ist", begeistert sich Sebastian Weik, einer der Teilnehmer an der NETZlabor E-Mobility-Carré.


45 Haushalte mit VW e-Golf und BMW i3 ausgestattet

Die Teilnehmer der Studie dürfen während der Studiendauer nicht nur ein Elektroauto ihr Eigen nennen, sie verfügen auch über optimale Ladebedingungen für den Lithium-Ionen-Akku. Netze BW stattet die zu dem Haus gehörende Tiefgarage mit 58 Wallboxen aus.

Um einen realistischen Querschnitt unserer Gesellschaft widerzuspiegeln, wurden für die Studie jüngere Paare genauso ausgewählt wie Familien und Rentner. Mithilfe der vielfältigen Lebenswelten will der Stuttgarter Netzbetreiber einen möglichst realistischen Gesamteindruck gewinnen. "Im NETZlabor E-Mobility-Carré erproben wir unter realen Bedingungen, wie die Integration der Elektromobilität in die bestehende Netzinfrastruktur am besten gelingen kann."

Dazu zählt auch die, den Tagesrhythmen unterworfene, unterschiedliche Nutzung der Elektroautos - 24 VW e-Golf sowie 21 BMW i3. Die Reichweite der zur Verfügung stellten E-Autos beträgt laut WLTP-Messverfahren rund 200 Kilometer. Die Batteriekapazität ist ebenfalls vergleichbar: Der VW e-Golf ist mit 35,8 kWh ausgestattet und der BMW i3 mit 33 kWh.


E-Mobility-Carré: Erfahrungs- und Messwerte für Stromnetz der Zukunft

In dem Feldprojekt sollen die Teilnehmer, die Netzte BW kurzerhand zu Energiepionieren ernannte, nicht nur das bereits vorhandene Stromnetz an seine Grenzen bringen. Projektleiter Ralph Holder erklärte in einer Pressemitteilung: "Wir erproben im E-Mobility-Carré ein intelligentes Lademanagement, das zur Vermeidung einer Überlastung des Netzes in den Ladevorgang eingreifen kann."

Durch die Erfahrungen der Studienteilnehmer sowie der gesammelten Messdaten sollen die Anforderungen, die die E-Mobilität an das Netz in Wohnanlagen stellt, neu definiert werden. Somit könnten die gewonnen Daten aus dem Schwäbischen Energieversuch die Weichen für das "Stromnetz der Zukunft" stellen und die reibungslose Energieversorgung mit Ökostrom gewährleisten.

(17.06.2020)