So alltagstauglich ist ein Elektroauto


Die Alltagstauglichkeit von Elektrofahrzeugen wird heutzutage noch oft mit Skepsis beurteilt. Reichweitenangst, Verfügbarkeit von Lademöglichkeiten und lange Ladezeiten spielen dabei die größte Rolle. Wir gehen diesen Argumenten nach und wollen herausfinden, ob sie ein E-Auto nur gefühlt oder auch tatsächlich alltagsuntauglich machen.


Reichweitenangst

Täglich pendeln viele Millionen Menschen mit dem Auto zwischen Wohnort und Arbeitsstätte. Je nach Studie bewegt ein solcher Pendler sein Auto im Durchschnitt 17-44 Kilometer pro Tag. Der kleinere Wert betrifft hauptsächlich Menschen im städtischen Raum. Je ländlicher es wird, desto größer wird die durchschnittliche Tagesfahrstrecke.

Fakt ist: Diese Entfernungen sind für moderne E-Autos kein Problem (mehr dazu auch in unserem Beitrag: Horrorszenario „E-Auto und leerer Akku“). Selbst die meisten Hybridfahrzeuge legen diese Strecke rein elektrisch mit einer Batterieladung zurück.

So meistert beispielsweise ein VW e-up! (reines Elektrofahrzeug) im deutschen Winter diese Entfernungen mit links. Dabei nehmen wir an, dass der Fahrer im Winter auch Heizung und Sitzheizung benutzt sowie einen Teil seiner Strecke auch im Stadtverkehr fährt.

Die offiziellen Reichweiten nach NEFZ- bzw. WLTP-Verfahren weisen z. B. für diesen Wagen verschiedene Werte aus. Der Energieverbrauch unter realen Einsatzbedingungen, hier z. B. Minusgrade, Betrieb mit Heizung und Sitzheizung, weicht davon u. U. ab. Das liegt u. a. daran, dass im Rahmen dieser Normen unter Einhaltung ganz bestimmter Parameter Verbrauchswerte ermittelt werden.

So kann man unter Beachtung exakt dieser Vorgaben Fahrzeuge miteinander vergleichbar machen. Die oben geschilderten Winter-Bedingungen werden u. U. im Rahmen dieser Normen jedoch nicht oder nur teilweise hinterfragt, sodass der reale Verbrauch von dem nach offiziellem Standard ermittelten Verbrauch abweichen kann.

Zurück zum Beispiel des VW e-up!: Hier bräuchte es praktisch nur einen Ladepunkt. Idealer-weise ist dieser an der heimischen Steckdose, die zweitbeste Lösung könnte der Firmen-parkplatz sein. Fahren Sie längere Strecken, eröffnen sich zwei Möglichkeiten: Je nach Streckenprofil, Zielort und Zweck der Fahrt kann es mehr oder weniger sinnvoll sein, mit diesem E-Auto zu fahren.

Reisen Sie z. B. allein und befindet sich der Zielort abgelegen auf dem Land, aber noch in Reichweite der Batteriekapazität, könnte Ihr VW e-up! Die richtige Wahl sein. Voraussetzung wäre, dass es am Zielort eine Lademöglichkeit gibt. Dazu im nächsten Kapitel mehr. Liegen Start- und Zielort jedoch in einem Gebiet, dass gut per ÖPNV abgedeckt ist, könnte das die für diese Fahrt bessere Alternative sein.


Verfügbarkeit von Lademöglichkeiten

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, wenn Sie als Elektroautobesitzer bzw. –nutzer auf eine eigene Lademöglichkeit zugreifen können (z. B. Wallbox zu Hause). Die zweitbeste Wahl in dieser Hinsicht wäre ein Ladepunkt am Arbeitsplatz (z. B. Firmenparkplatz). Beides verschafft Ihnen zum einen eine gewisse Unabhängigkeit von Verfügbarkeiten im öffentlichen Netz. Zum anderen sind Sie so auch zeitlich unabhängiger, denn Ihr Fahrzeug kann immer dann laden, wenn Sie es nicht nutzen.

Aktuell finden sich etwas weniger oder etwas mehr als 17.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Deutschland (Stand 10/2019; je nachdem, welcher Statistik man glaubt). Angesichts des noch überschaubaren Bestandes an E-Autos (Stand 01/2019 lt. KBA; ca. 83.200) und Hybrid-Pkw (Stand 01/2019 lt. KBA; ca. 341.400) steht es um die Netzabdeckung derzeit gut.

Jedoch ist anzumerken, dass nicht allein die Anzahl an Ladesäulen entscheidend ist. Nicht selten sind diese schlecht zugänglich (weil zugeparkt). Oder Sie als Nutzer benötigen spezielle Zugangsdaten, da der Betreiber eines Ladepunktes ein eigenes Abrechnungssystem nutzt. Hier und da zeigen sich so noch die Anfangsschwierigkeiten einer neuen Branche, deren Akteure erst nach und nach zueinander finden.

Apropos zuparken: Es sind übrigens nicht nur Fahrer von Verbrennern, die Ladeplätze versperren. Auch einige Fahrer von E-Mobilen sind der Ansicht, dass sie dort Parkrecht haben, ohne zu laden (leider hat der Gesetzgeber hier den Städten und Gemeinden individuelle Regelungen überlassen, siehe dazu den Beitrag des ADAC.

Derzeit gestaltet sich der Ausbau der Ladeinfrastruktur sehr verschieden. Während einige Städte und Gemeinden sich nicht nur zurückhalten, sondern sogar Ladepunkte wieder zu-rückbauen, entdecken immer mehr Unternehmen den Wert von Ladestationen für sich. Zum einen, um Mitarbeiter zum Umstieg bei Dienstwagen und Privatfahrzeugen zu motivieren. Zum anderen, z. B. bei Möbelhäusern oder Supermärkten, um Kunden anzulocken und zu loyalisieren.

Stadtwerke sowie Energieversorger sind schon seit Längerem dabei, in ihren Versorgungsgebieten Ladesäulen zu errichten (siehe dazu auch Fördermöglichkeiten). Darüber hinaus baut auch die deutsche Autoindustrie in Deutschland (und anderen Ländern) ein flächendeckendes Ladenetz auf. IONITY heißt das Joint Venture von BMW Group, Daimler AG, Ford Motor Company und des Volkswagen Konzerns mit Audi und Porsche. Das erklärte Ziel: Entlang europäischer Hauptverkehrsachsen soll ein Netzwerk leistungsfähiger Schnell-Ladestationen für Elektrofahrzeuge aufgebaut und betrieben werden.

Es geht also voran.


Lange Ladezeiten

Das Tanken von Kraftstoff beim Verbrenner und das Laden des Akkus beim E-Auto mögen im Grundsatz gleiche Dinge sein - man holt sich Energie ins Auto. Und doch gelten hier zwei verschiedene Prinzipien: Während man den Verbrenner tankt, wenn der Tank leer ist, lädt man das Elektroauto, wenn sich die Gelegenheit dafür bietet.

Elektroautofahren bedeutet somit, sich ein wenig umzustellen. Einkauf im Supermarkt? Neuen Pass beantragen im Rathaus? Shoppen in der Innenstadt? Küchenplanung im Möbelhaus? Termin bei einem Geschäftspartner? Besuch bei einem Kunden? Kaffeepause auf der Fahrt zum Termin? All das sind willkommene Gelegenheiten zum Nachladen der Batterie des E-Fahrzeuges.

Moderne Navigationssysteme in E-Autos, oder, wenn nicht vorhanden, entsprechende Apps für’s Smartphone, unterstützen Sie dabei. Routen werden in Abhängigkeit vom Ladezustand des Akkus, des Fahrzeug-Energieverbrauchs, der Verfügbarkeit von Ladestützpunkten und der Entfernung des Zielortes geplant.

Sie sehen: Mit etwas Planung braucht es keinen dicken Geduldsfaden beim Laden eines E-Autos. Lediglich beim Zurücklegen von längeren Strecken ist etwas mehr Zeit einzuplanen als bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Doch auch hier gibt es bereits gute Lösungen, z. B. Schnellladesäulen.

Diese halten auf Autobahnen und anderen Hauptverkehrsadern immer öfter Einzug. Hohe Ladeströme ermöglichen damit eine zügige Wiederaufladung des Akkus. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass Ihr Auto für hohe Ladeströme ausgelegt ist. Neuere Elektro-Modelle sind das in aller Regel.


Und wie ist das jetzt mit der Alltagstauglichkeit?

Diese Frage kann Stand heute nur mit einem klaren „jein“ bzw. „es kommt drauf an“ beantwortet werden.

Vielfahrer mit dauernd wechselnden Strecken, die in einer Mietwohnung auf dem Land leben, werden E-Mobilität als nicht für sie tauglich empfinden. Pendler, die im Eigenheim am Stadtrand wohnen und sowohl dort als auch am Arbeitsplatz eine Lademöglichkeit haben, sind dagegen ideal geeignete Nutzer von Elektromobilität.

Insofern empfehlen wir Ihnen, sich vor der Anschaffung eines Elektroautos umfassend von einem Fachmann oder einer Fachfrau in einem Emil Frey Autohaus beraten lassen.